Anglistik - Amerikanistik - Anglophonie, Band 8
Stephanie Schwerter:
Literarisierung einer gespaltenen Stadt - Belfast in der nordirischen
Troubles Fiction vom Realismus zur Karnevalisierung


Als Zentrum des nordirischen Konflikts inspirierte Belfast seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten zahlreiche Autoren. Insbesondere in den 80er und 90er Jahren werden zunehmend Romane publiziert, die sich mit den Auswirkungen von religiös-politischer Gewalt auf das Leben der nordirischen Bevölkerung beschäftigen. Die meisten der sogenannten Troubles novels spielen in Belfast. 

Die narrative Darstellung der Stadt Belfast verändert sich jedoch im Zuge einer Entspannung der politischen Situation. Die ausschließlich realistische Fiktionalisierung Belfasts in den 70er und 80er Jahren wird Mitte der 90er Jahre von einer wachsenden Tendenz zu einer narrativen Karnevalisierung im Sinne Bachtins abgelöst. Durch groteske Verzerrung und Ironie kommt es zu einer humoristischen Unterminierung etablierter Gesellschaftsstrukturen und Autoritäten. Unter Einsatz von Polyvalenz und Multiperspektivität stellen Autoren gegensätzliche Weltsichten in Dialog zueinander und entfernen sich so von einem monologen Diskurs des Nordirland-Konflikts. Die durch Spott und Hohn erreichte Entmythologisierung des Konflikts als ideologisch motivierter Kampf stellt eine bedeutende Wende in der nordirischen Troubles fiction dar.


ISBN 978-3-88476-953-9, 304 S., kt., € 28,50 (2007)


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