LIR - Literatur Imagination Realität, Band 15:
Anne Emmert:
Die Präsentation von Vergangenheit in den Dramen Brian Friels
Erinnerung und Geschichte


Mit der Analyse des Individuums und der Gesellschaft geht Brian Friel in seinen Dramen sowohl psychologischen als auch kulturell-historischen Fragestellungen nach. Ein wiederkehrendes Thema im Werk des gebürtigen Nordiren ist der Versuch, eine eigenständige personale oder nationale Identität zu formulieren. Dieses Unterfangen wird motiviert und gleichzeitig erschwert von der Übergangssituation zwischen fremdbestimmter (kolonialer) Vergangenheit und eigenverantwortlicher (europäischer) Zukunft, in der sich Irland heute noch befindet.

Als Grundbaustein für das Selbstbild des einzelnen und der Nation interessiert Friel schon seit Beginn der sechziger Jahre, als er mit Philadelphia, Here I Come! internationale Bekanntheit erlangte, die Präsentation der Vergangenheit in Erinnerung und Geschichte, die der Reflexion einer personalen und nationalen Identität dient. Die vorliegende Studie geht den Spielarten der Vergangenheitspräsentation in Friels Dramenwerk nach, die von der Konfrontation mit einer als schicksalhaft empfundenen Vergangenheit bis hin zur Demontage und Neukonstruktion von Geschichtsbildern reichen.

Als Dreh- und Angelpunkt eines sich wandelnden Vergangenheitsverständnisses erweisen sich dabei die von Friel immer neu überdachten Konzepte von Identität und Realität. Anhand einer Analyse der Transformation von Vergangenheit sowie der dafür gewählten dramaturgischen Mittel wird für die Dramen zwischen The Enemy Within (1961) und Wonderful Tennessee (1993) die formale Umsetzung dieser Konzepte aufgezeigt. Dabei offenbart sich die Entwicklung eines zunehmend textuellen Vergangenheitsverständnisses im Werk Friels, die auch eine Erklärung für die Internationalität der Dramen bietet.


ISBN 3-88476-226-5, 270 S., kt., 27,00 (1996)


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