LIR - Literatur Imagination Realität, Band 5
Marga Stede:
Schreiben in der Krise
Die Texte des Heinrich Kaufringer


Das Spätmittelalter als Zeit der "Krise" und des "Krisenbewußtseins" bildet den Hintergrund für das literarische Schaffen des Heinrich Kaufringer. Sein Textkorpus umfaßt neben den bekannten Maeren auch eine Reihe weitgehend unbekannter religiös-didaktischer Texte.

Gegenstand der Arbeit ist, die Texte Kaufringers durch detaillierte Interpretationen in ihrer ästhetischen Besonderheit zu erfassen, sie auf der Basis sprachhandlungstheoretischer Gesichtspunkte zu systematisieren, sie im Kontext mentaler und sozialgeschichtlicher Gegebenheiten zu reflektieren und den sozialen Status des Autors neu zu diskutieren.

Hierzu werden in einem vergleichenden Verfahren mit Paralleltexten die Charakteristika der Schreibweise Kaufringers verdeutlicht: im Bereich der narrativen Texte sein je spezifischer Gebrauch von z.T. weit verbreiteten (überwiegend schwankhaften) Motivschemata, die in den Erzählungen Kaufringers vielfach widersprüchlichen Deutungs- und Wertungsmustern unterworfen werden, sowie bei den Gebrauchstexten seine Form der literarischen Nutzung tradierter Stoffe für Zwecke der Erbauung und der Vermittlung einer "Alltagsethik".

Im folgenden werden die Interpretationsergebnisse im Kontext mentalitätsgeschichtlicher und sozialgeschichtlicher Begründungszusammenhänge reflektiert. In Auseinandersetzung v.a. mit Pierre Bourdieus Habitus-Theorie wird der - häufig diffus verwendete - Mentalitätsbegriff neu formuliert.

Die als literarische Verarbeitungen einer stadtbürgerlichen und einer "religiösen" Mentalität gekennzeichneten Texte Kaufringers werden schließlich auf die "Krise des Spätmittelalters" bezogen, in der sie - als "Schreiben gegen die Krise" - ihren historischen Sinn finden.


ISBN 3-88476-075-0, 353 S., kt., € 27,00 (1993)


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