LIR - Literatur Imagination Realität, Band 4
Philipp Heinz-Walter Wolf:
Die Ästhetik der Leiblichkeit
W. B. Yeats, die Moderne und das Andere der Vernunft


Die moderne Literatur unterliegt einem irreversiblen Prozeß der Abstraktion, die moderne Literaturwissenschaft einer fortschreitenden Tendenz zur Formalisierung und Strukturalisierung - ihres Gegenstandes und ihrer selbst.

Gleichwohl ist es nach wie vor das spannungsvolle Anliegen aller Kunst, ihr differentielles Fehl an leiblicher Präsenz plastisch aufzuheben, den Hiatus zwischen Sinn und Sinnlichkeit, Reflexion und Leiblichkeit zu schließen. Wie aber ist es auch nach der sprachlichen Kehre ("linguistic turn") des bewußtseinsphilosophischen Idealismus noch möglich, von Leiblichkeit und von literarischer Sprache zu reden, ohne die Grenzen zu verschweigen, die ihr durch den linguistischen Strukturalismus gesetzt worden sind?

Diese Arbeit versucht - am illustren Beispiel von W. B. Yeats - darauf eine Antwort zu geben: indem sie mit und gegen Kant, Schopenhauer, Nietzsche und Adorno, mit und gegen einen ridigen Textualismus, die epistemologischen und anthropologischen Kategorien der Exzentrizität, der Alterität und Negativität geltend macht und indem sie die ästhetischen (und anthropologischen) Kategorien der Unbestimmtheit, der Prozessualität, der Plötzlichkeit und des Imaginären aufbietet. Damit gelingt es ihr, eine Dimension des dichterischen (wie dramatischen) Textes ins Bewußtsein zu rufen, die - leibhaftig - diesen transzendiert.


ISBN 3-88476-067-X, 416 S., kt., € 29,000 (1993)


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