LIR - Literatur, Imagination, Realität, Band 23:
Martin Kuester:
'Prudent ambiguities':
Zur Problematik von Sprache und Bedeutung im Werk John Miltons


Seit mehr als dreihundert Jahren ist John Milton eine jener zentralen Dichterfiguren, die die literarische Tradition der anglophonen Länder dominieren und deren Einfluß sich kaum ein Schriftsteller, geschweige denn ein Literaturwissenschaftler, entziehen kann. Im vorliegenden Band wird sein Werk, sowohl Dichtung als auch Prosa, auf die ihm zugrundeliegenden Sprachvorstellungen hin untersucht. Es geht u.a. um Überlegungen, wie Wörter entstehen und dann von einem Kontext (z.B. dem himmlischen) auf einen anderen (z.B. den irdischen) übertragen werden können. Dies berührt Fragen der Semiotik, der Übersetzungstheorie und der Intertextualität, und es kommen neben den 'Sematologie'-Diskussionen des 17. Jahrhunderts auch moderne Theorien - bis hin zum Saussureschen Strukturalismus und der lexikalischen Semantik von John Lyons - zur Sprache.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Epos Paradise Lost als Miltons wichtigste und auch für die Sprachauffassung zentrale Schrift. Hier dient die Unterscheidung zwischen prä- und postlapsaler Sprache - also die Frage, ob sich mit dem biblischen Sündenfall etwas am Status der menschlichen Sprache ändert - als Grundlage einer neuen Interpretation des Epos, insbesondere der Rolle, die zentrale Figuren wie der Erzengel Raphael darin spielen.

Martin Kuester ist Professor für Anglistik/Literaturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg.


ISBN 3-88476-342-3, 231 S., kt., € 26,00 (1999)


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