LIR - Literatur, Imagination, Realität, Band 22:
Claudia Olk:
Reisen und Erzählen
Studien zur Entwicklung und Fiktionalität in narrativen Reisedarstellungen
der englischen Literatur in Spätmittelalter und Renaissance


Im Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance stellt die spirituelle, professionelle und profane Reise nicht nur ein bedeutendes kulturhistorisches Phänomen dar, sondern ist, als Grunderfahrung vom homo viator hin zum Entdeckungsreisenden, Gegenstand der am weitesten verbreiteten Texte in England.

Die Vertextung des Reisens wird in dieser Periode, die durch tiefgreifende Veränderungen in der Deutung und Bewertung narrativer Wahrheit gekennzeichnet ist, als ein Feld literarischen Experimentierens mit tradierten Wirklichkeitsentwürfen zunehmend zu einer Herausforderung für das Realitätsverständnis. Auf der Basis eines umfangreichen, heterogenen Textkorpus entfaltet diese Arbeit das breite Spektrum der Reisethematik für die englische Literatur vom 14. bis zum 17. Jahrhundert hinsichtlich der Formen ihrer literarischen Verarbeitung. Schwerpunkte der Analyse bilden die Konstruktion narrativer Identität der reisenden Figuren im Lichte der Auseinandersetzung mit Fremdem und Eigenem sowie darüber hinaus Strategien textueller Raumrepräsentation. Neben Fragen der Gattungstypologie werden die Überlieferungsgeschichten der Texte sowie ihre zeitgenössische Rezeption betrachtet.

Das spezifische Erkenntnisinteresse dieser grundlegenden Studie ist darauf gerichtet, den besonderen Zusammenhang von Reisedarstellung und Entwicklung von Fiktionalität zu einer poetologischen Kategorie im Kontext eines sich wandelnden Welt- und Wirklichkeitsverständnisses zu erhellen.


ISBN 3-88476-388-1, 345 S., kt., € 30,00 (1999)


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