LIR - Literatur, Imagination, Realität, Band 21:
Katharina Freche:
Von zweier frouwen bâgen war vil manic helt verlorn
Untersuchungen zur Geschlechterkonstruktion
in der mittelalterlichen Nibelungendichtung


Waren Frauen im skandinavischen Mittelalter wirklich so autonom? Hatten sie wirklich eine so viel stärkere Stellung als die europäischen Frauen? Lange erschien dies aufgrund vieler Deutungen der Isländersagas als plausibel. Aber erfüllten diese Darstellungen von Frauen in der mittelalterlichen Literatur nicht nur die Alibifunktion, unpopuläre Handlungsmuster an die Figur der Frau zu knüpfen, um damit dem Mann neue Handlungsmodelle zu eröffnen?

Diese interdisziplinär angelegte Studie zeigt auf der Grundlage der tatsächlichen historischen Geschlechterkonstruktion deren Umsetzung in entsprechende literarische Stoffmotive und Handlungssequenzen in der mittelalterlichen Nibelungendichtung. Als Tiefenstruktur der Texte bestimmt die Autorin literarische und außerliterarische Regulative wie Gattungsvorgaben der Heldenepik oder verschiedene, die Handlungs- und Figurenkonzeption bestimmende gesellschaftliche Diskurssysteme. Damit wird die zentrale Frage beantwortet, warum die Figurenkonzeption auf eben genau diese Weise gestaltet wurde. So gibt diese Untersuchung einen wichtigen Einblick in die aktuelle Forschung und stellt mit der neu überarbeiteten Deutung der westskandinavischen Rechtstexte eine unverzichtbare Informationsquelle für alle Mediävisten und Skandinavisten dar.


ISBN 3-88476-384-9, 236 S., kt., € 25,50 (1999)


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