<    Weitere Bände dieser Reihe    >


Schriftenreihe Literaturwissenschaft, Band 46
Annette Pehnt:
Mad Sweeney
Aneignung und Transformation eines mittelalterlichen Stoffes in der modernen irischen Literatur


Suibhne Geilt, Vogelmensch, Ausgegrenzter, Wilder Mann aus der mittelirischen Erzählung Buile Shuibhne, wird im 20. Jahrhundert als Mad Sweeney zu einer zentralen Figur der irischen Literatur. Im öffentlichen Bewußtsein des zeitgenössischen Irland belegt er einen prominenten Platz. Neben Editionen, texttreuen Übersetzungen und textnahen Bearbeitungen entstanden über vierzig Romane, Dramen, Essays, Gedichte; Sweeney begegnet in Öl gemalt und in Bronze gegossen, in Ateliers und Anthologien.

Seit den fünfziger Jahren, als mit dem Verlust verbindlicher Wertordnungen und der Distanzierung von dem Projekt nationaler Identitätsfindung die Rhetorik des Irish Revival endgültig erschöpft schien, spielen Texte in der Figur Sweeneys gesellschaftliches Außenseitertum als Grundbedingung künstlerischer Kreativität durch. Über die Fiktion vom Rückzug oder von der Verbannung in die Wildnis artikulieren sie Zivilisationskritik und gesellschaftliches Unbehagen.

In der literaturwissenschaftlichen Forschung hat die Figur Sweeneys kaum Beachtung gefunden. Die vorliegende Studie schließt diese Lücke in der Aufarbeitung sowohl irisch-gälischer als auch anglo-irischer Literatur, zeichnet die Rezeptionsgeschichte der Figur vom zwölften bis ins ausgehende zwanzigste Jahrhundert nach und erarbeitet eine Erklärung für die Präsenz und Anziehungskraft der Figur. Die bekannten Bearbeitungen von Flann O'Brien und Seamus Heaney werden ebenso diskutiert wie die unbekannteren, etwa die irischsprachigen Gedichte Seán Ó Riordáins, Cathal Ó Searcaighs und Nuala Ní Dhormhnaills, die Theaterinszenierung der Truppe Macnas, Jack Foleys und Paul Muldoons experimentelle Textcollagen.


ISBN 3-88476-286-9, 348 S., kt., € 25,50 (1999)


Möchten Sie diesen Titel bestellen? Dann klicken Sie bitte hier.