LIR - Literatur Imagination Realität, Band 16:
Günther Blaicher (Hg.):
Death-in-Life
Studien zur historischen Entfaltung der Paradoxie der Entfremdung in der englischen Literatur


Die Paradoxie vom lebendigen Totsein ist in der europäischen Kulturgeschichte von der Antike bis in unsere Zeit als Ausdruck einer religiösen, psychischen und sozialen Befindlichkeit nachweisbar, die stets einen Mangel oder einen Verlust an echter Lebensentfaltung signalisiert, zugleich jedoch fast immer auf einen Gegenpol verweist, in dem die angestrebte Fülle des Lebens angedeutet wird. Darüber hinaus kann sie zu einem kulturdiagnostischen Instrument und zu einem rhetorischen Mittel in der kritischen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Zustand der Gesellschaft und der menschlichen Zivilisation überhaupt werden. Eine historisch angelegte Studie dieses Topos eröffnet daher einen wichtigen Zugang zum Verständnis der europäischen Seelengeschichte. Die in diesem Band vereinigten Beiträge verfolgen in interdisziplinärer Ausweitung (Theologie, Amerikanistik, Germanistik, Skandinavistik) die historische Entfaltung dieses Topos in wichtigen Epochen und bei wichtigen Autoren der englischen Literatur. Eine einleitende Strukturskizze der Geschichte des Topos erleichtert die Einordnung der einzelnen Beiträge.

Günther Blaicher: Die Paradoxie vom lebendigen Totsein in England: Versuch einer historischen Skizze

Bernhard Mayer: Zur Thematik "lebend tot" in der Parabel vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32)

Inge B. Milfull: Lebendig-Totsein in der mittelenglischen Devotionsliteratur: Leben und Sterben im Werk der Julian of Norwich

Wolfgang G. Müller: Die Präsenz des Todes im Leben: Erscheinungsformen eines Topos in der Literatur der englischen Renaissance

Rudolf Freiburg: "Everything of a Carcass but Putrefaction": 'Idleness' und 'Indolence' als Bilder des Todes in der englischen Essayistik des achtzehnten Jahrhunderts

Dieter A. Berger: LIFE-IN-DEATH als romantischer Alptraum: S. T. Coleridges The Ancient Mariner

Hermann Josef Schnackertz: "I say to you that I am dead!" - Die Ambiguität von Leben und Tod in den Fiktionen E. A. Poes

Lothar Cerný: "Life-in-Death": Zur Paradoxie der Kunst in Our Mutual Friend.

Ulrich Horstmann: Das andere Empire: Viktorianische Lyrik im Schattenreich.

Uwe Englert: Versteinerte Weiblichkeit. Zur Paradoxie vom lebendigen Totsein in Henrik Ibsens Når vi døde vågner

Hans Ulrich Seeber: Mechanische Bewegung als Tod im Leben: Women in Love von D. H. Lawrence

Brigitte Glaser: "A Short Space . . . in the Hollow of the Wave": Zur Darstellung des lebendigen Totseins in Virginia Woolfs Romanen

Joachim Pfeiffer: Umwertungen des Todes. Todesbilder im Werk Thomas Manns

Ria Blaicher-Omasreiter: The Death of the Spirit. T. S. Eliots Auseinandersetzung mit der modernen Zivilisation

Manfred Beyer: Tote, Geister und Ungeborene: Zum Thema des Lebens-im-Tod im englischen Drama nach 1950

Sabine Volk-Birke: "So it died being born." Tod-im-Leben in der modernen englischen Lyrik.


ISBN 3-88476-297-4, 338 S., kt., € 29,00 (1998)


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