Marcus Münch

Building Faith on New-Found Shores

Die religiöse Dimension in der Dichtung der Fireside Poets


Im 19. Jahrhundert zählten die heutzutage fast vergessenen Fireside Poets Bryant, Whittier, Longfellow, Lowell und Holmes zu den populärsten amerikanischen Dichtern. Insbesondere während des Zeitraums vom Bürgerkrieg bis zur Jahrhundertwende wurden sie von einer großen Leserschaft, zumal aus den bürgerlichen Schichten, als geistig-moralische Leitbilder und Ikonen der kulturellen Eigenständigkeit Amerikas verehrt. Die vorliegende Studie widmet sich den bislang kaum gewürdigten unterschiedlichen religiösen, intellektuellen und gesellschaftspolitischen Ausrichtungen, die meist hinter dem rezeptionsgeschichtlich entstandenen einheitlichen Gesamtbild der fünf Lyriker als einer Institution zurücktreten. Auf der Grundlage einer ausgreifenden Textanalyse skizziert die Untersuchung die ebenso verschiedenen wie vielschichtigen religiösen Weltentwürfe der Fireside Poets, welche zugleich die krisenhaften Wandlungen der amerikanischen Gesellschaft auf dem Weg in die Moderne verdeutlichen. Die religions- und ideengeschichtlichen Kontexte, die zur Diskussion der dichterisch bezeugten religiösen Konzeptionen und Intuitionen herangezogen werden, umfassen unter anderem das von der Stoa transportierte heraklitische Denken, den Puritanismus, das Quäkertum, den Deismus der Aufklärung, die unitarische Moraltheologie, die Religionskritik der amerikanischen Transzendentalisten sowie die Anfänge der Social Gospel-Bewegung. Darüber hinaus bieten sowohl die Kritik dieser Dichter an den Formen institutionalisierter Religiosität wie auch ihr zum Teil ausgeprägtes religiöses Krisenbewusstsein den Anlass, das tradierte Bild der Fireside Poets als Bewahrer eines institutionell gesicherten Individualismus zu revidieren. Als den vehementen Verfechtern einer "experiential religion" nach persönlichem Gewahren wird ihnen hier vielmehr ein angemessener Platz in jener großen Tradition zugesprochen, die in Amerika von Edwards über Emerson bis James und Dewey reicht.


ISBN 978-3-86821-642-4, 248 S., kt., € 30,00 (2016)

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