LIR - Literatur, Imagination, Realität, Band 47


Ariane Mhamood

Komik als Alternative


Parodistisches Erzählen zwischen Travestie und Kontrafaktur in den 
'Virginal'- und 'Rosengarten'-Versionen sowie in 'Biterolf und Dietleib'

Die vorliegende Studie untersucht die Strategien und Ziele parodistischen Erzählens in mittelhochdeutschen Dietrichepen, einer im 13. Jahrhundert äußerst verbreiteten heldenepischen Textgruppe, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus der mediävistischen Forschung gerückt ist. Dabei steht zunächst die Erarbeitung eines funktional und strukturell flexiblen Parodiebegriffs im Vordergrund, mit dem parodistische Erzählstrategien zwischen Travestie und Kontrafaktur erfasst werden können. Anhand der ausgewählten Primärtexte wird analysiert, wie die Parodierung höfischer Erzählmuster im Allgemeinen und des ‚Nibelungenliedes‘ im Besonderen erfolgt und welche Konsequenzen sich hieraus vor allem für die Rezeptionsgeschichte des ‚Nibelungenliedes‘ ergeben. An aktuelle Forschungsergebnisse anknüpfend zeigt die Autorin auf, dass die parodistisch-komische Überschreitung und Ausweitung von Genregrenzen den Dietrichepen die Möglichkeit bot, heldenepische Stoffe in höfisch-arthurischer Einfärbung zeitgemäß zu erzählen. Angesichts dessen plädiert diese Studie nicht zuletzt für eine funktionale Erweiterung des Begriffs der Unterhaltungsliteratur und in diesem Kontext für eine differenziertere Betrachtungsweise lange als „epigonal“ stigmatisierter Dichtungen, die hier als Heldendichtung der zweiten Generation vorgestellt werden.



ISBN 978-3-86821-383-6, 214 S., kt., € 24,50 (2012)

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