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Schriftenreihe Literaturwissenschaft, Band 24
Henrike Lamers:
Held oder Welt? Zum Romanwerk Friedrich Spielhagens


Friedrich Spielhagen (1829-1911), ein heute völlig vergessener Schriftsteller, erfreute sich zu seinen Lebzeiten größter Bekanntheit sowohl in literaturwissenschaftlichen Kreisen als auch beim breiten Leserpublikum. Vor allem seine zahlreichen seitenstarken Romane wurden immer wieder neu aufgelegt, boten sie doch gleichermaßen eindrucksvolle Schilderungen des zeitgenössischen Lebens wie spannungsreiche Handlung. Das Anliegen dieses Autors ging jedoch über den Unterhaltungsaspekt seiner Geschichten hinaus. Er versuchte, seine durch politische, wirtschaftlich-soziale und technische Umwälzung geprägte Zeit zu erklären und einen sinnvollen Zusammenhang in ihren divergierenden Tendenzen zu finden.    

Romantheoretisch schlägt sich dieses Bemühen in dem Versuch nieder, die ältere Tradition des Bildungsromans mit der im 19. Jahrhundert neu entstandenen Gattung des Zeitromans zu verknüpfen. Held und Welt, Individuum und Gesellschaft sind die Pole, zwischen denen Spielhagens Romane einen Ausgleich zu finden suchen. Anhand fünf exemplarischer Werke wird dies in der vorliegenden Untersuchung dargestellt. Dabei zeigt sich, daß Spielhagen der Ausgleich im Laufe seines Lebens zunehmend unmöglich wurde, daß die Erfahrung einer disparaten Realität kein einheitliches Weltbild mehr zuließ, das Individuum isolierte, daß der einzelne schließlich sich selbst nicht mehr finden konnte. - Dieser Autor zweiten Ranges spiegelt damit auf signifikante Weise die literarhistorische, aber auch die allgemeine philosophisch-kulturelle Entwicklung des ausgehenden 19. Jahrhunderts wider.


ISBN 3-88476-215-X, 272 S., geb., € 38,50 (1991)


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