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(Schriftenreihe Literaturwissenschaft; 83)


Christine Baro

Der Narr als Joker


Figurationen und Funktionen des Narren bei Hans Sachs und Jakob Ayrer

Narr ist nicht gleich Narr. Vielmehr ist der Narr eine der vielgestaltigsten Figuren, die die frühneuzeitliche Literatur zu bieten hat. Wie weit dieses Spektrum reicht – vom einfältigen Idioten bis zum gewitzten Streichespieler, vom Sünder vor Gott und den Mitmenschen bis hin zum weisen Hofnarren –, zeigt diese Arbeit am Beispiel der Dichtungen von Hans Sachs und Jakob Ayrer. Während die Narrenfiguren der spätmittelalterlichen Moralsatire ebenso wie diejenigen bei Shakespeare und im Barockroman schon häufig zum Thema wissenschaftlicher Abhandlungen geworden sind, kam der Narr bei Sachs und Ayrer bislang seltener in den Blick der Forschung. Dabei sind diese beiden Nürnberger Autoren des 16. Jahrhunderts schreibende Zeugen einer Wendezeit, die sich gerade in der Narrenfigur spiegelt. Ausführliche Werkanalysen führen vor, wie der Narr bei Sachs und Ayrer durch die Vielfalt seiner Erscheinungsformen und literarischen Funktionen zum "Joker" wird, den der Dichter ganz flexibel, je nach verfolgter Dramaturgie oder Aussageabsicht, einsetzen kann. Eine differenzierte Typologie der unterschiedlichen Narrenfiguren, ihrer Eigenschaften und Funktionen liefert das für die Analyse nötige Beschreibungsinstrumentarium. So ermöglicht dieser Zugang eine Fülle von Bekanntschaften mit einem ganzen "Käfig voller Narren" und zeigt zugleich den allmählichen Wandel der Narrenfigur vom ernsten Mahner oder Ermahnten hin zum Spaßmacher auf der Bühne."


ISBN 978-3-86821-289-1, 464 S., kt., € 42,50 (2011)


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