KOLA: Koblenz-Landauer Studien zu Geistes-, Kultur- und Bildungswissenschaften, Band 4
Albrecht Classen:
Deutsche Schwankliteratur des 16. Jahrhunderts - Studien zu Montanus,
Hans Wilhelm Kirchhof und Michael Lindener


Viel zu lange von der Forschung vernachlässigt, erweist sich die deutsche Schwankliteratur des 16. Jahrhunderts bei eingehender Betrachtung als ein ungemein aussagekräftiger, ebenso unterhaltsamer wie reflexiver Textbestand, in dem zentrale Fragen des Alltagslebens, seiner Probleme und Konflikte in meist komischen oder peinlichen Situationen und Zusammenhängen zur Sprache kommen. 

Die Schwankliteratur, von der hier mit Martin Montanus, Hans-Wilhelm Kirchhof und Michael Lindener drei bislang von der Literaturwissenschaft kaum beachtete Vertreter in den Blick genommen werden, thematisiert eine Fülle an speziellen und zugleich verallgemeinerbaren Situationen etwa im Rahmen des ehelichen Zusammenlebens, im kirchlichen Bereich, in der dörflichen und städtischen Gemeinschaft und sogar am Hofe. Dabei gewinnen Streit und Gewalt, Sexualität und Obszönität großes Gewicht, was allerdings keinesfalls aus Selbstzweck oder gar in verherrlichender Absicht geschieht. Vielmehr durchleuchten die Schwankautoren diese Phänomene kritisch und pochen auf Recht und Ordnung sowohl im Privatleben als auch in der Öffentlichkeit (z.B. Tyrannenkritik Kirchhofs). Darüber hinaus demonstrieren sie anhand ihrer oft phantasievollen und virtuosen Thematisierung dieser Aspekte des Alltags ihren Sprachwitz und ihre Ausdruckskraft, so dass es ihnen gelingt, komische Züge im menschlichen Leben sichtbar zu machen, Torheiten und Eitelkeiten zu ironisieren und Fehler ihrer Mitmenschen satirisch bloßzustellen. 

Autoren wie Montanus, Kirchhof und Lindener boten mithin ihrer Leserschaft nicht nur humorvolle literarische Unterhaltung, sondern brachten zugleich zentrale moralische und ethische Fragen ihrer Zeit in die Diskussion, indem sie in ihren Schwänken grundlegende sozialphilosophische, didaktische und sogar epistemologische Anliegen aufgriffen.


ISBN 978-3-86821-135-1, 208 S., kt., € 23,50 (2009)


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