Ansgar Nünning (Hg.):
Unreliable Narration: Studien zur Theorie und Praxis unglaubwürdigen Erzählens in der englischsprachigen Erzählliteratur

unter Mitwirkung von Carola Surkamp und Bruno Zerweck


==> Pressestimmen zu "Unreliable Narration" <==


Obgleich der Begriff unreliable narrator zu den wichtigsten Kategorien der Erzähltextanalyse gehört, mangelt es bislang sowohl an einer befriedigenden Theorie oder zumindest Definition von unreliable narration als auch an einem Überblick über die Formen, Funktionen und Veränderungen unglaubwürdigen Erzählens. Außerdem werfen die Definition und Analyse erzählerischer Verläßlichkeit bzw. Unglaubwürdigkeit eine Vielzahl von ungelösten Fragen auf. Daher besteht ein eklatantes Mißverhältnis zwischen der großen Bedeutung, die dem Phänomen unreliable narration allgemein zugeschrieben wird, und den theoretischen und interpretatorischen Problemen, die mit dieser Kategorie verbunden sind. Der vorliegende Band versucht, einige dieser Lücken zu schließen. Der Untertitel verweist auf die doppelte Zielsetzung, die dieses Buch verfolgt.

Im ersten Teil werden auf der Grundlage des heutigen Standes der Erzähl-, Kommunikations- und Kognitionstheorie zentrale Probleme erzählerischer unreliability erörtert, in Grundzügen eine kognitiv-narratologische Theorie unzuverlässigen Erzählens entwickelt sowie ein systematisches Raster von textuellen Signalen und kontextuellen Parametern für unreliable narration vorgestellt.

Im zweiten Teil werden verschiedene Formen und Funktionen von unreliable narration anhand der Analyse eines breiten Spektrums von englischsprachigen Romanen untersucht. Die exemplarisch angelegten Romananalysen dienen nicht bloß dazu, den interpretatorischen Erkenntniswert der Modellbildung in der Praxis zu erproben, sondern sie stellen auch verschiedene historische, kulturelle, formale und funktionale Spielarten des Phänomens vor.

Eine Bibliographie zum Thema unreliable narration bietet in der Sektion zu Primärliteratur einen selektiven Überblick über wichtige Werke mit einem unreliable narrator. Die Sektion zur Sekundärliteratur gibt als Forschungsbibliographie zum Thema unreliable narration den interessierten Leserinnen und Lesern Anhaltspunkte für die selbständige Erschließung dieser für alle Philologien gleichermaßen relevanten Problematik.

 

Zur Theorie unglaubwürdigen Erzählens

Ansgar Nünning: Unreliable Narration zur Einführung: Grundzüge einer kognitiv-narratologischen Theorie und Analyse unglaubwürdigen Erzählens

Dagmar Busch: Unreliable Narration aus narratologischer Sicht: Baustein für ein erzähltheoretisches Analyseraster

Gaby Allrath: "But why will you say that I am mad?" Textuelle Signale für die Ermittlung von unreliable narration

Manfred Jahn: Package Deals, Exklusionen, Randzonen: das Phänomen der Unverläßlichkeit in den Erzähsituationen

 

Formen und Funktionen von Unreliable Narration in der englischsprachigen Erzählliteratur: Fallstudien zur Praxis unglaubwürdigen Erzählens

Dagmar Sims: Die Darstellung grotesker Welten aus der Perspektive verrückter Monologisten: Analyse erzählerischer und mentalstilistischer Merkmale des Erzählertypus mad monologist bei Edgar Allan Poe, Patrick McGrath, Ambrose Bierce und James Hogg

Michel Pobloth: Erzählen als Mittel subjektiver Sinnstiftung: Das Problem der (un-)reliability in Graham Swifts Shuttlecock und Ever After

Marion Gymnich: Identitätsspaltung oder epistemologische Verunsicherung: Unglaubwürdiges Erzählen in Margaret Drabbles The Waterfall und Brigid Brophys In Transit

Carola Surkamp: Die Auflösung historischen Geschehens in eine Vielfalt heterogener Versionen: Perspektivenstruktur und unreliable narration in Paul Scotts multiperspektivischer Tetralogie Raj Quartet

Jan Blumenthal: Unzuverlässiges Erzählen im postkolonialen Roman: Sam Selvons Moses Ascending und Moses Migrating

Roy Sommer: Parodie des kolonialen Reiseberichts, Kritik an stereotypisierter Wahrnehmung des Fremden und Problematisierung von Fiktionalität und Authentizität: Die Funktionen von unreliable narration in Christopher Hopes Darkest England

Bruno Zerweck: "Boy, am I a reliable narrator": Eine kulturwissenschaftlich-narratologische Analyse des unzuverlässigen Erzählens in Martin Amis' Money: A Suicide Note

Vera Nünning: Unreliable narration und die historische Variabilität von Werten und normen: The Vicar of Wakefield als Testfall für eine kulturgeschichtliche Erzählforschung

Bibliographie zu Unreliable Narration


Pressestimmen zu "Unreliable Narration"

"Alles in allem handelt es sich somit bei Unreliable Narration um ein Buch, das keiner, der es mit unzuverlässigen und/oder unglaubwürdigen Erzählern zu tun hat, in Zukunft ignorieren kann. Im Hinblick auf die textuellen Merkmale unzuverlässigen Erzählens bietet es einen umfassenden Überblick und macht zugleich deutlich, daß das Phänomen ohne Berücksichtigung des Lesers und seiner historischen Rezeptionsbedingungen nicht hinreichend erklärt werden kann."

Literatur in Wissenschaft und Unterricht XXXII,2 (1999)

 

"Der Band besticht durch theoretische Gründlichkeit sowie durch die klare Struktur und schlüssige Argumentation der einzelnen Beiträge. Daß die theoretischen Diskussionen im ersten Teil immer anhand prägnanter literarischer Beispiele geführt werden und umgekehrt in den interpretationspraktischen Beiträgen des zweiten Teils theoretische Prämissen durchwegs expliziert werden, [...] läßt den Band sehr viel homogener erscheinen, als man es von Sammelbänden in der Regel gewohnt ist."

Sprachkunst 30 (1999)

 

„Nun werden im vorliegenden Band Beiträge zu einer Theorie des unglaubwürdigen Erzählens und zahlreiche Beispiele exemplarischer Untersuchungen vorgelegt: state of the art der modernen Literaturwissenschaft. […] Eine höchst anregende Liste von Pri­märtexten mit unreliable narrators und eine Forschungsbibliographie zum Thema run­den den kompakten, lesenswerten Band ab.“

Mitteilungen des FMF-Landesverbandes Westfalen-Lippe 17.2 (1999)

 

"Der Band [...] ist in der Konzeption wie im Inhalt ein gelungener und höchst anregender Beitrag zu einem Forschungsgebiet von allgemein literaturwissenschaftlicher Relevanz. [...] Bereits jetzt kann [...] gesagt werden, daß der wegweisende Band mit seinen teils ausgezeichneten Beiträgen der Narratologie Reflexionsanstöße gibt, an denen diese nicht vorbeigehen können wird. Er sei daher jedem erzähltheoretisch Interessierten wärmstens empfohlen."

Anglistik. Mitteilungen des Verbandes Deutscher Anglisten 11,2 (2000)

 

"Die vorliegende Studie zum Phänomen der unreliable narration [...] kann mit Fug und Recht als die beste und zusammenfassendste Auseinandersetzung mit unglaubwürdigem bzw. unzuverlässigem Erzählen bezeichnet werden. Wieder fungiert hier die deutsche Anglistik unter der Federführung eines ihrer prominentesten Vertreter in einer Vorreiterstellung gegenüber der Germanistik. [...] Nünning hat einen Markstein in der Erzählforschung geliefert. Jetzt liegt es an uns, auf diesen Einsichten aufzubauen und den Wissensstand auf weitere Bereiche auszudehnen. Dank Nünnings methodischer und theoretischer Vorgaben sind wir dazu in der allerbesten Ausgangsposition."

Poetica 32 (2000)

 

"This collection of essays on Unreliable Narration edited by Ansgar Nünning offers without doubt the most penetrating and comprehensive study of the concept of unreliable narration to date. [...] For anyone interested in the exciting new directions narratology is currently taking, Unreliable Narration is essential reading."

European Journal of English Studies 4,1 (2000)


ISBN 978-3-86821-480-2, 310 S., kt., € 20,00 (2013)

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