Christof Decker:
Die ambivalente Macht des Films
Explorationen des Privaten im amerikanischen Dokumentarfilm


Seit den sechziger Jahren zeichnet sich der amerikanische Dokumentarfilm durch eine Entwicklung aus, bei der neben das gesellschaftsanalytische Potential des Genres zunehmend performative und erfahrungsvermittelnde Elemente getreten sind. Diese lehnen sich zwar zumeist an die traditionelle Funktionsbestimmung - einer sozialen Relevanz, die sich mit der ästhetischen Ausgestaltung verbindet - an, doch stellt sich deren Umsetzung in einer veränderten politischen Öffentlichkeit und einem allgegenwärtigen Kommerzialisierungsdruck postindustrieller Gesellschaften als immer schwieriger dar.

Jenseits dieser medienbedingten Marginalisierung des Genres hat die neuere Filmtheorie den Dokumentarfilm und seine symbolischen "Konstruktionen von Wirklichkeit" auch umfassender mit den Ambivalenzen der filmischen Repräsentation konfrontiert. Gegen eine ungewollte Fürsprache, eine autoritäre Welterklärung oder einen unreflektierten technologischen Zugriff wendet sich eine Kritik, die den Machtstatus des - vordergründig aufklärerischen - Genres betont. Der Autor untersucht anhand des amerikanischen Dokumentarfilms der sechziger und siebziger Jahre diese ambivalente Macht des Films. Er thematisiert insbesondere jene Explorationsstrategien, die sich zunehmend auf das Private gerichtet, ihm eine Gestalt gegeben und dort ihre zum Teil problematischen Implikationen besonders eindringlich entfaltet haben. Neben einer Auseinandersetzung mit zentralen Positionen der neueren Dokumentarfilmtheorie stehen vor allem die Fragen im Mittelpunkt, wie das beobachtende Direct Cinema der sechziger Jahre um interaktive, reflexive und gesellschaftskritische Elemente erweitert wurde, und welche Bedeutung der filmischen Repräsentation - in gesellschafts- und kommunikationstheoretischer Hinsicht - innerhalb einer demokratischen Medienkultur zukommt.


ISBN 3-88476-129-3, 436 S., kt., 29,00 (1995)


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