Filmgeschichte International, Band 2
Petra Putz:
Waterloo in Geiselgasteig
Die Geschichte des Münchner Filmkonzerns Emelka (1919-1933) im Antagonismus zwischen Bayern und dem Reich


1812. Hungernde Bauern hoffen apathisch auf Hilfe, während Moskau in Flammen untergeht. Gespenstisch werden Leichen durch die nächtlichen Gassen Wiens getragen. "Europa war ein Trümmerhaufen", sagt ein Zwischentitel. "... und dies alles das Werk eines Mannes - des großen Korsen!" So beginnt WATERLOO, Karl Grunes lange vergessenes Meisterwerk aus dem Jahr 1929, mit dem die Münchner Filmproduktionsfirma Emelka ihr zehnjähriges Bestehen zu feiern gedachte. Als Feierstück und selbstbewußte Darstellung, darüber hinaus als nationale Identifikations-Ikone geplant, wurde WATERLOO zum Anfang des Endes der Emelka.

Die Münchner Lichtspielkunst AG (Emelka) in München-Geiselgasteig - dem Standort der heutigen Bavaria - war die zweitgrößte Filmproduktion der Weimarer Republik; sie wurde 1919 gegründet als bayerischer Gegenpol zur allbeherrschenden Berliner Ufa und mußte 1932 Konkurs anmelden, nachdem geschäftliche Fehlentscheidungen sie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatten. An der wechselvollen Geschichte dieses bedeutungsvollen Filmkonzerns läßt sich nicht allein ein Stück deutscher Filmgeschichte nachzeichnen, das bisher vernachlässigt worden ist; auch die politischen Antagonismen zwischen Bayern und dem Reich in den zwanziger Jahren treten anhand der Konzern-Entwicklung auch auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet zutage.

Petra Putz hat als erste ein filmhistorisches Neuland betreten und, gestützt auf umfangreiche Quellenstudien, die Geschichte der Emelka erforscht und aufgezeichnet. Ihre Ergebnisse ergänzen sinnfällig eine Filmgeschichtsschreibung, die bisher ihr Interesse fälschlich nur auf den Produktionsstandort Berlin konzentriert hat.


ISBN 3-88476-230-3, 267 S., kt., € 18,00 (1996)(vergriffen)