Ursula Hehl:
Manifestationen narzißtischer Persönlichkeitsstörungen in Shakespeares romantischen Komödien


In den letzten Jahrzehnten ist in der Psychoanalyse der Problemkreis der narzißtischen Persönlichkeitsstörungen immer mehr in den Vordergrund gerückt. Ausgehend von der Überzeugung, daß psychoanalytisch orientierte Erklärungsansätze der Shakespeare-Forschung ein Instrumentarium von hohem historischem Wert bieten, stellt die vorliegende Arbeit einen Versuch dar, neue metapsychologische Konzepte narzißtischer Störungen für die Analyse der Komödien Shakespeares fruchtbar zu machen.

Auf der Grundlage der Schriften Otto Kernbergs und Heinz Kohuts wird ein theoretisches Modell narzißtischer Persönlichkeitsstörungen entwickelt, das es ermöglicht, einen z.T. sehr direkten Zusammenhang zwischen der psychischen Disposition zentraler Figuren der Komödien und der Entwicklung der Handlungsdynamik des jeweiligen Stückes herzustellen, das sich so in einem neuen Licht darstellt. Von besonderem Interesse sind dabei typische Konstellationen in Zweierbeziehungen, die Resultate einer Deviation im narzißtischen Gleichgewicht beteiligter Figuren sind. Diese Figuren weichen von einer implizit oder explizit dargestellten Idealnorm ab, was meist dazu führt, daß ihre Beziehungen scheitern oder gar nicht erst zustande kommen.

Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse durch eine Betrachtung relevanter geistesgeschichtlicher Strömungen, literarischer Konventionen und protopsychologischer Vorstellungen der Renaissance in England in den historischen Kontext der frühen Neuzeit gestellt.


ISBN 3-88476-138-2, 282 S., kt., € 26,00 (1995)


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