Annegret Schrick:
Jane Austen und die weibliche Modellbiographie des 18. Jahrhunderts
Eine strukturelle und ideologiekritische Untersuchung zur Zentralfigur bei Jane Austen


Die vorliegende Studie weist nach, daß es eine weibliche Modellbiographie des 18. Jahrhunderts gibt. In zeitgenössischen normativen didaktischen Texten wird nicht nur der Normenkatalog dargelegt, mit dem die Frau aus der Schicht der gentry konfrontiert wurde, sondern vielmehr werden die Normen umgesetzt in einen musterhaften biographischen Ablauf mit spezifisch weiblichen "Wendepunkten". Die "Geschichte" der Modellbiographie beginnt zu dem Zeitpunkt, als das junge Mädchen zu strikt ritualisierten Anlässen als heiratsfähig "angeboten" wird.

Die vergleichende Analyse läßt keinen Zweifel daran, daß Jane Austen in der Romanbiographie ihrer weiblichen Romanfiguren nicht ein mehr oder minder "schrulliges" Verhaltenskonzept entwickelt, sondern von dem Bezugstext der Modellbiographie ausgeht. Ihr Verhältnis dazu ist quasi parodistisch, womit zugleich die kritische Freiheit als auch die Begrenztheit ihres narrativen Vorgehens beschrieben wird. Neben einer Anzahl von Realisierungsmomenten erweist sich, daß Jane Austen die Inhalte und Strukturen der Modellbiographie gleichzeitig infrage stellt. Doch da die Autorin mit dem Trick des Glücks arbeitet, erspart sie sich eine letzte konsequente Stellungnahme: "zufällig" stimmt die Herzensentscheidung ihrer Zentralfiguren mit gesellschaftlichem Wohlverhalten überein.


ISBN 3-922031-31-5, 300 S., kt., € 25,00 (1986) (vergriffen)